Zweifelhafte Ehre: Weshalb Adolf von Trotha kein Ehrenbürger Glienickes bleiben sollte. Von Dr. Holger Czitrich-Stahl und Thomas Kollegger (DIE LINKE)/Februar 2017


Auf der Internetseite der Gemeinde Glienicke findet sich unter Sehenswürdigkeiten dieser Link: (https://www.glienicke.eu/portal/seiten/sehenswuerdigkeiten-904000092-22451.html). Dort gibt es einen Hinweis auf die Grabstelle des Marineadmirals und Glienicker Ehrenbürgers Adolf von Trotha (1868-1940). Grundsätzlich sollte eine Ehrenbürgerschaft nach der Richtlinie der Gemeinde zur Ehrenbürgerschaft jedoch folgenden Prinzipien Rechnung tragen (§ 2):

(1) In Würdigung herausragender Verdienste kann die Gemeinde Glienicke/Nordbahn das Ehrenbürgerrecht verleihen. Verliehen wird das Ehrenbürgerrecht an Personen, die sich in besonderer Weise um die Entwicklung, das Wohl und das Ansehen der Gemeinde und ihrer Bürger verdient gemacht haben.

(2) Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die die Gemeinde zu vergeben hat.

 

Wer jetzt mehr über die Biographie des Adolf von Trotha erfahren will, sei auf die Anmerkungen im ersten Band des „Glienicker Bilderbogens“, dort auf die Seiten 116-118, verwiesen, die der Glienicker Ortschronist Joachim Kullmann niedergeschrieben hat. Die Ehrenbürgerschaft Glienickes erhielt der Nationalist und Hitlerverehrer von Trotha im Jahre 1935 zugesprochen, als in Deutschland und auch in unserer Gemeinde die Nazis herrschten. Weshalb die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft nach 1945 im Zuge der Entnazifizierung nicht vorgenommen wurde, ist nicht rekonstruierbar. Für DIE LINKE Glienicke ist es aber längst überfällig, dass die Gemeinde diesen Schritt vollzieht. Von Trotha hat sich als Nazi-Funktionär weder für die Gemeinde verdient gemacht, noch hat er für ein demokratisches Gemeinwesen gewirkt. Im Gegenteil: Am Ende des Ersten Weltkriegs war er als Mitglied der Seekriegsleitung und des Marinekabinetts für den Befehl an die Flotte vom 24. Oktober 1918 verantwortlich, in einem „Himmelfahrtskommando“ gegen England auszulaufen, um die Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten zu sabotieren. Im März 1920 schloss sich von Trotha mit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch an, der die deutsche Reichsregierung des Kanzlers Gustav Bauer (SPD), den Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) und die junge Weimarer Demokratie durch eine Militärdiktatur beseitigen sollte. Im Jahr 1934 wurde unter von Trothas Vorsitz der Reichsbund Deutscher Seegeltung gegründet, ein Propagandainstrument der NS-Regierung (s.Bild). Von Trotha betätigte sich als rechtsnationalistischer und nationalsozialistischer Politiker bis zu seinem Tode 1940. Seine Verehrung für Adolf Hitler hat er nie verleugnet und wurde von den Nazis entsprechend hoch dekoriert.

Geschichtsbewusstsein, genauso wie die Auseinandersetzung mit unserer aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklung, sollte niemals durch kalkuliertes, vordergründiges Handeln zum Nutzen jeweiliger Interessen einzelner Personen, oder, dann auch neuer, Parteien missbraucht werden. Heute sehen und erleben wir, was international und auch in Deutschland diesbezüglich noch auf uns zukommen wird. Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sollten aber grundsätzlich keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.

Umso wichtiger findet DIE LINKE, hier und jetzt ein politisches Signal gemeinsam mit allen Fraktionen in Glienicke zu setzen, und so zu zeigen, dass eine weitere Ehrenbürgerschaft von Trothas nicht vereinbar ist mit unserem demokratischen Gemeinwesen und den in Glienicke aufgestellten Richtlinien für eine Ehrenbürgerschaft. Daher (gemäß Richtlinie § 8 Verlust der Ehrenbürgerschaft, dort Satz 4): „Eine bereits verliehene Ehrenbürgerschaft kann nach den in § 2 Abs. 1 genannten Kriterien neu bewertet werden. Entspricht die verliehene Ehrenbürgerschaft nicht mehr den dort genannten Grundsätzen, kann die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden.“

Dafür werden wir uns einsetzen und die anderen Fraktionen um ihre Unterstützung für unseren Antrag bitten.